Geschwister-Sprache bei bilingualen Kinder

21/06/24

Wenn du deine Kinder mehrsprachig erziehst, dann wünschst du dir vielleicht sehr, dass deine Kinder untereinander eine bestimmte Sprache verwenden. Doch welche Faktoren beeinflussen am Ende die Wahl und können wir das als Eltern in eine Richtung oder die andere lenken? Die Antwort ist Jaein. Es gibt im Grunde genommen vier Faktoren, die die Wahl der Geschwister-Sprache mehr oder weniger beeinflussen. 

 

Faktor Nr. 1: Das Sprachverhalten des älteren Kindes

Der große Bruder oder die große Schwester ist für das jüngere Kind ein großes Vorbild. Damit hat das erste Kind einen sehr starken Einfluss auf die Wahl der Sprache, die die Geschwister in einer mehrsprachigen Familie unter sich verwenden. Je nachdem, zu welcher Sprache der große Bruder oder die große Schwester eher tendiert, wird das jüngere Kind sicherlich auch diese Sprache eher verwenden (1). 

Das bedeutet: das erste Kind hat einen sehr starken Einfluss auf den Spracherwerb seiner Geschwister. Es ist also besonders wichtig, schon beim ersten Kind für eine erfolgreiche Mehrsprachigkeit zu sorgen, damit es bei den anderen Kindern nicht noch schwieriger wird. 

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Faktor Nr. 2: Umfeld und Bildungssprache

Nicht nur der große Bruder oder die große Schwester hat einen großen Einfluss auf die Wahl der Geschwister-Sprache, sondern auch andere Kinder und, im erweiterten Sinne, das Umfeld der Kinder außerhalb von zu Hause. Die Sprache, die in der Bildungseinrichtung (Kita, Schule) gesprochen wird dominiert in den meisten Fällen die Interaktionen von Kindern untereinander und damit auch die Interaktionen unter Geschwistern (2).

Faktor Nr. 3: Die Kommunikationsstrategie in der Familie

Laut Wissenschaftler*innen ist es so, dass die Strategie, die die Eltern für die Kommunikation innerhalb der Familie wählen, nur einen minimalen Einfluss auf die Wahl der Geschwister-Sprache hat (3). Vielmehr ist es so, dass über die Zeit die Bildungssprache meistens dominiert. 

Bilinguale Geschwister kreieren untereinander ihre eigene Kommunikationsstrategie, ihre eigene Dynamik (4). Wenn sie z.B. untereinander hauptsächlich eine Sprache verwenden, die bisher in der Familie nicht oder wenig gesprochen wurde, kann das dazu führen, dass die bisherige gelebte Strategie der Eltern zum Schwanken kommt.  

Da ist es als Eltern wichtig, flexibel zu bleiben und in die Akzeptanz zu gehen, aber auch dranzubleiben. Gebt nicht auf und fördert die Nicht-Landessprache(n) weiterhin so gut es geht. Denn sonst ist das Risiko, dass irgendwann alle Familienmitglieder u.a. nur noch die Landessprache sprechen, sehr hoch (5)

Und hier bitte aufpassen: Fördern ist nicht mit Fordern zu verwechseln! Fordern ist kontraproduktiv, erzeugt nur Druck und führt nicht zum Ziel. Vielmehr hilft Spaß und Freude im Umgang mit den Sprachen. So kommen wir zum letzten Faktor:

Faktor Nr. 4: Spaß und Freude!

Studien zeigen, dass bilinguale Geschwister dazu tendieren, die Landessprache zu verwenden, wenn es um alltägliche Themen geht. Doch Studien zeigen auch, dass, wenn sie im Spiel sind, oder wenn es um das Erzählen von Geschichten oder Witzen geht, dass sie dann mehr in die Nicht-Landessprache wechseln (6). Sie tendieren auch dazu, die Nicht-Landessprache in gewissen Situationen als Geheimsprache zu nutzen. Das alles funktioniert aber natürlich nur, wenn das ältere Kind die Mehrsprachigkeit wirklich lebt und die Nicht-Landessprache aktiv spricht.

Die Forschung zeigt, dass es wichtig ist, „mehrsprachige Räume zu schaffen, die Spaß machen und Freude bereiten“(7)

Der Einsatz von “unübersetzbaren” sprachlichen Elementen (sogenannte “untranslatables”) wie: Witze, Zungenbrecher, lustiges Fluchen oder Gedichte können zum Erhalt und zur Stärkung der Nicht-Landessprache beitragen.(8)

Fazit

Wir Eltern haben zwar einen gewissen Einfluss auf die Wahl der Geschwister-Sprache, dieser bleibt aber begrenzt da noch andere Faktoren im Spiel sind. Wichtig ist: Egal, wie es kommt, die andere oder anderen Sprachen weiterhin und kontinuierlich zu fördern. 

 

Quellen:

(1) Baker, C (1995): A parent's and teacher's guide to bilingualism. London: Arnold, S. 64.

(2)(Kheirkhah, M; Cekaite,a (2017): Siblings as languae sozialization agents in bilingual families. In: International Multilingual Research Jornal, 12(4), 255-72, zitiert in: Macleroy, V. (2022):  "Siblings’ multilingual discourse", in: Stavans, A; Jessner, U.: Handbook of Childhood Mulitlingualism, S. 325-354, S. 329.

(3) Barron-Hauwaert, S. (2011): Bilingual Siblings: Language use in Families. Bristol: Multilingual matters, S. 160. 

(4) Caldas, S. (2006):Raising bilingual-Biliterate Children in Monolingual Cultures. Clevedon: Multilingual Matters, S. 118.

(5) Barron-Hauwaert, S. (2011): Bilingual Siblings: Language use in Families. Bristol: Multilingual matters, S. 68.

(6) Macleroy, V. (2022):  "Siblings’ multilingual discourse", in: Stavans, A; Jessner, U.: Handbook of Childhood Mulitlingualism, S. 325-354, S. 330.

(7) Macleroy (2022):  S. 347.

(8) Macleroy (2022):  S. 330.


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