Bilinguale Erziehung: Wann ist der beste Zeitpunkt, um zu starten?

26/04/24

Was ist der beste Zeitpunkt, um seinem Kind eine weitere Sprache beizubringen? Soll es lieber zuerst eine Sprache richtig lernen, und dann erst die zweite? Oder direkt alle Sprachen gleichzeitig? Heute wissen wir, dass der doppelte Erstspracherwerb (zwei oder mehrere Sprachen von Anfang an) für ein Kind keine Belastung darstellt. Bei der Entscheidung, ab wann dein Kind die weitere Sprache lernen soll, solltest du mehrere Faktoren berücksichtigen. In diesem Artikel erfährst du, welche das genau sind und welche Fragen dir bei der Entscheidung helfen können. 

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Wichtige Fakten

Kinder, die von Anfang an zweisprachig oder mehrsprachig aufwachsen, lernen die Sprachen meist auf ähnliche Weise wie einsprachig aufwachsende Kinder. Das heißt: Eine Sprache zu lernen oder mehrere Sprachen gleichzeitig zu lernen macht für dein Kind keinen Unterschied. Von der Schwierigkeit her, sind beide Optionen ähnlich.

Doch natürlich spielen die Rahmenbedingungen bzw. gewisse Faktoren eine entscheidende Rolle. Einer der zentralen Faktoren ist das Alter des Kindes. 

Grundsätzlich sagen Wissenschaftler*innen folgendes: Bis einem Alter von ca. 3 Jahren kann ein Kind eine Sprache ganz instinktiv und auf natürlicher Weise erwerben. Ab einem Alter von ca. 3 Jahren spielen äußere Rahmenbedingungen und die Persönlichkeit des Kindes eine größere Rolle. Da ist es u.a. umso wichtiger, dass ein Kind viel Input in der Sprache bekommt, damit es mit dem Erwerb auch klappt. 

Wenn ein Kind später, d.h. ab einem Alter von ca. 5-6 Jahren anfängt eine neue Sprache zu lernen, dann verläuft der Spracherwerbsprozess anders. Er findet nicht mehr auf natürliche Art statt, sondern verläuft ähnlich wie beim Lernen einer Fremdsprache. Das hat zur Folge, dass das Kind zu Beginn eine größere Unterstützung benötigt, zum Beispiel in Form von Kursen.  Und hier werden andere Faktoren eine große Rolle spielen wie die Lernmotivation, das individuelle Sprachtalent des Kindes und die Intensität vom Sprachkontakt, aber auch die Kompetenz in der Erstsprache/den Erstsprachen ist (je stärker, desto besser natürlich).

Ab einem Alter von 5-6 Jahren ist es auch sehr wahrscheinlich, dass die Aussprache von der Erstsprache beeinflusst bleibt.

Was heißt das konkret für dich? Ich habe drei Fragen ausgesucht, mit der ich die Eltern unterstütze, die Ihre Kinder bilingual oder mehrsprachig erziehen möchten, aber nicht genau wissen zu welchem Zeitpunkt es am Besten ist. Diese Fragen solltest du dir stellen, falls du unsicher bist, ob du dein Kind von Anfang an mehrsprachig erziehen möchtest.

Fragen, die du dir stellen solltest, um die Entscheidung zu treffen

  • Frage 1: Was wünscht du dir für dein Kind, für dich und für eure Beziehung?

Wie wichtig ist es dir, dass dein Kind die weitere Sprache lernt und warum? Was ist deine Motivation? Handelt es sich um deine Herkunftssprache? Möchtest du dadurch eine starke Bindung aufbauen, einen Teil deiner Kultur und deiner Identität weitergeben? Oder ist es eine Herzenssprache, die du später erworben hast, zu der du aber eine ganz besondere Bindung hast und in der du dich super sicher fühlst? Wenn es so ist, dann solltest du sie von Anfang an mit deinem Kind sprechen.

  • Frage 2: Wie kannst du die Kompetenz in der Nicht-Landessprache sicherstellen ? 

Bedenke: Je länger du wartest, um eine Sprache beizubringen, desto schwieriger wird es sein, dein Kind zu motivieren, vor allem, wenn der Sprachkontakt im Alltag zu gering ist - und das ist er, wenn du die einzige Person im Umfeld deines Kindes mit dieser Sprache bist.

Natürlich ist es nie zu spät, eine Sprache zu lernen und es kann sein, dass dein Kind als Jugendliche(r) mit voller Begeisterung plötzlich deine Sprache lernen möchte. Es kann aber auch sein, dass das große Interesse dafür nie kommt, vor allem wenn dein Kind kein Nutzen darin erkennt. Wenn es aber noch jung ist (idealerweise unter 3 Jahren) hast du die Möglichkeit, es mit Leichtigkeit an die Sprache richtig zu binden. 

  • Frage 3: Wie kannst du die Kompetenz in der Bildungssprache sicherstellen?

Bedenke: Für kein Kind ist es sehr einfach, in eine Kita oder Schule anzukommen bzw. Anschluss zu finden, wenn es die dort gesprochene Sprache nicht beherrscht. Es sei denn es ist noch so jung, also unter zwei einhalb Jahren, dass es noch kein richtiges Bewusstsein dafür hat. 

Wenn du sicher sein willst, dass dein Kind zu Schulbeginn die Bildungssprache ausreichend beherrscht, dann musst du dafür sorgen, dass es vorher genug Zeit hatte, seine Kompetenz in der Bildungssprache aufzubauen. Deshalb empfehle ich Eltern, deren Kinder im häuslichen Umfeld keinen Kontakt zur Bildungssprache haben, ihre Kinder möglichst noch vor dem dritten Geburtstag in einem einsprachigen Kindergarten betreuen zu lassen. 

Wenn klar ist, dass dein Kind erst nach einem Alter von drei Jahren in den Kindergarten kommen wird und bis dahin kaum Kontakt zur Bildungssprache haben wird, dann empfehle ich dir sehr, die Einrichtung besonders sorgfältig zu wählen. Denn hier spielen zwei Faktoren eine entscheidende Rolle: Erstens, die Art und Weise, wie die Fachkräfte mit den Kindern umgehen, d.h. wie sehr sie im Alltag die Bildungssprache fördern; und zweitens, es ist nicht besonders förderlich, wenn es viele Kinder in der Einrichtung gibt, die ebenfalls die Landessprache nicht beherrschen. Weil dein Kind somit automatisch weniger Kontakt zu der Sprache hat.  

Fazit:

Je länger du wartest, um eine weitere Sprache beizubringen, desto schwieriger wird es sein, dein Kind zu motivieren bzw. für dein Kind, den Einstieg in die Sprache zu schaffen. Das gilt vor allem dann, wenn der Sprachkontakt gering ist.

Natürlich kann man nicht immer vorher alles planen. Es kann sein, dass ein Kind auswandern muss und plötzlich mit einer ganz neuen Sprache in Berührung kommt. Da ist immer die Frage, wie ihr als Eltern den Prozess begleitet. Genau in solchen Fällen ist es noch viel wichtiger eine Strategie für euch zu erarbeiten, um eurem Kind die bestmöglichen Voraussetzungen für einen erfolgreichen und leichten Spracherwerb zu schaffen. 

Kontaktiere mich gerne, falls du Unterstützung brauchst.

 

Quellen: 

Deuchar, Margaret (2022): „Multilingulism in early childhood: the Role of the input” in: Stavans, Anat; Jessner, Ulrike:The Cambridge Handbook of childhood multilingualism, Cambridge univ. press.

Tracy, Rosemarie (2008): Wie kinder Sprachen lernen und wie wir sie dabei unterstützen können, Francke Verlag.


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Dr. Adeline Hurmaci

"Mehrsprachig erziehen ist eine Kunst; die Kunst, bei seinem Kind die innere Motivation für das Lernen seiner Sprachen zu pflegen."